Verbraucherschutz
Brigitte Neumann
Klimaschutz mit dem Einkaufskorb
Viele Forschungsergebnisse belegen: Der Ökolandbau ist im Vergleich mit dem Agrarbusiness deutlich klimaschonender. Überdies ist er in der Lage, die Menschen weltweit zu ernähren – selbst wenn es im Jahr 2050 neun Milliarden sein sollten.
Der Sommer deckt den Tisch mit einer Fülle an Wohltaten für Körper, Geist und Seele. Köstliches Beerenobst und süße Kirschen locken ebenso wie frische Salate, zartes Gemüse und sonnenverwöhnte Kräuter. Üppiges Grün überall, wogende Getreidefelder und nicht zuletzt die Blumenpracht in den heimischen Gärten malen ein buntes Bild der Natur. Mit allen Sinnen können wir es wahrnehmen: bei Ausflügen zu Fuß oder auf dem Fahrrad. Wenn dann noch die Hitze der Sonne durch das wohltuende Eintauchen in abkühlendes Nass ausgeglichen wird und der lecker gefüllte Picknickkorb am See wartet, stellt sich ein Gefühl von Urlaub selbst bei kurzen Ausflügen ein.
Doch ein Schatten legt sich auf diese idyllischen Bilder. Wissenschaftler weltweit künden einen Klimawandel an, als dessen Folge mehr Naturkatastrophen, Hunger und Elend in der Welt vorhergesagt werden, mit verdorrten Landschaften und überschwemmten Küsten; auch bei uns in Deutschland. Als eine Ursache für die Erderwärmung wird der hohe Kohlendioxidausstoß (CO2) vermutet, den wir uns mit unserem hohen Energieverbrauch leisten; auch die Landwirtschaft trägt dazu bei.
Alle Versuche der modernen Hightechlandwirtschaft, mit speziell gezüchteten Pflanzen weniger Dünge- und Spritzmittel zu verbrauchen – und damit auch weniger CO2 zu produzieren – sowie die ebenfalls immer knapper werdenden Wasserressourcen zu schonen, sind bisher weitgehend gescheitert. Dennoch, so die Befürworter, sei diese Form des Agrarbusiness nötig, um genügend Nahrungsenergie zu erzeugen.
Dem widerspricht eine Auswertung von 293 Ertragsstudien weltweit, die den konventionellen Anbau mit dem Biolandbau vergleichen. Im Vergleich zu den Erträgen aus konventioneller Landwirtschaft fiel die Bilanz überraschend positiv für den Biolandbau aus. Das hohe Ertragsniveau konventioneller Landwirtschaft in westlichen Ländern, erkauft durch viele Zugaben wie Kunstdünger und Spritzmittel, erreicht der Bioanbau bei weitem nicht. Auf vielen Flächen in den Länder des Südens aber, wo diese Zugaben nicht zur Verfügung stehen oder wegen anderer Klima- und Bodenbedingungen nicht in gleicher Weise wirksam werden, bringt der Bioanbau die höheren Erträge; hier führen oft schon einzelne Schritte der Ökologisierung - z.B. der Anbau von Leguminosen zur Bodenverbesserung und Unkrautkontrolle - zu einer deutlichen Ertragssteigerung. Für die Ernährung der Weltbevölkerung haben diese landwirtschaftlichen Flächen ein großes Potential und ihre Nutzung mit ökologischem Anbau eröffnet eine reale Perspektive, die Nahrungsgrundlage auch für eine noch wachsende Zahl von Menschen weltweit zu sichern. Hinzu kommen eine Reihe weiterer Vorteile des Bioanbaus: Kunstdünger wird nicht eingesetzt, die Bodenfruchtbarkeit durch Fruchtfolgen gefördert. Die Erträge steigen, die Ernährung wird abwechslungsreicher, das Anbaurisiko gestreut. Gleichzeitig sichert der Ökolandbau vielen Tierarten – ob Vögel, Insekten oder Säugetiere – ihren Lebensraum.
Die Freude über den reich gedeckten Tisch des Sommers ist mehr als nur ein Genießen. Sie fordert auch heraus, diese wertvolle Lebensgrundlage für uns und unsere Kinder zu erhalten. Der Ökolandbau allein kann den Klimawandel nicht stoppen, aber er leistet einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz. Die Macht der Verbraucher ist dabei enorm: Mit jedem Einkauf von Bioprodukten stützen und stärken wir diese ebenso klima- wie ressourcenschonendere Anbaumethode.





