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 Kinderfreundliche Stadtplanung

Mehr Raum für Bewegung

Kinder

Bewegung ist die Grundlage für eine gesunde Entwicklung von Kindern. Um Bewegungserfahrungen zu machen, brauchen sie Spiel- und Bewegungsräume, die ihnen Freiraum für die Entwicklung ihrer Fähigkeiten lassen. Diese Entwicklung und Aneignung von Räumen ist nur dort möglich

  • wo Kinder ihre Beziehung zu Räumen aktiv gestalten können,
     
  • wo sie sich in ihren Möglichkeiten und Grenzen als Selbst erfahren und
     
  • wo sie notwendiges Wissen über ihre Umwelt gewinnen.

Kinderfreundliche Stadtplanung hätte die Aufgabe, zur gesunden Entwicklung von Kindern beizutragen, indem Spiel- und Bewegungsräume für sie gesichert werden. Leider gibt es diese Art der Stadtplanung nicht. Stadtplanung orientiert sich noch immer stark an der wirtschaftlichen Entwicklung des Stadtlebens und ist daher in ihrer Wirkung eher kinderfeindlich. Ungesunde städtische Trends weiten sich zudem mehr und mehr auch auf den ländlichen Raum aus.

Großstädte sind mit über 50 Prozent Singlehaushalten Städte für Erwachsene, in denen Kinder fast schon eine gefährdete Minderheit darstellen. Kein Wunder, dass ihr Aufenthalt in öffentlichen Räumen häufig gefährlich ist. Kinder stehen - je nach Familiensituation - oft alleine da oder werden auf "Inseln für Kinder" professionell betreut. Nicht wenige müssen außerdem unterhalb der Armutsgrenze leben. Dass Armut und Verwahrlosung krank machen, ist mittlerweile durch Studien auch hierzulande bewiesen. Ökologisch betrachtet ist die Stadt eine "Spielwüste" - viele Kinder tauchen daher lieber über Fernsehen und Computer in virtuelle Welten ein. Bedenklich ist dabei auch, dass sie eine reale "kinderfreundliche" Welt vorher nie ergriffen und begriffen haben.

Obwohl die öffentliche Diskussion über die Situation von Kindern in Städten in den letzten Jahren zunahm, bleibt die gestörte Beziehung der Kinder zur städtischen Umwelt offensichtlich: Da ihnen Freiräume für eigene Unternehmungen fehlen - sie also mehr und mehr "verhäuslichen" - leiden sie an Bewegungsarmut und Bewegungsstörungen. Hinzu kommt häufig eine ungenügende Ernährung, was zu Dickleibigkeit führt.

Was ist zu tun?

Alle Instanzen, denen die gesunde Entwicklung von Kindern am Herzen liegen sollte, also Eltern, Familien, kindbezogene Sozial- und Bildungseinrichtungen, Raumplaner, Architekten und vor allem die verschiedenen zuständigen Behörden und kommunalen Einrichtungen müssen eng zusammenarbeiten, um die „kinderfreundliche Stadt "endlich Wirklichkeit werden zu lassen. Eine systematische Kooperation, um vorhandene Ressourcen sinnvoll einzusetzen, tut not. Angesichts des Geburtenrückgangs ist eine neue Kinderpolitik sinnvoll und notwendig, die alle Bemühungen zusammenbindet. Die Schaffung und Erhaltung einer „kinderfreundlichen Stadt "sollte ein wichtiges Ziel dieser Kinderpolitik in Zukunft sein.

Empfehlungen

Alle, die für Kinder Verantwortung tragen, sollten sich fragen:

  • Können die Kinder im Umfeld ihrer Wohnung ohne Betreuung und Aufsicht Erwachsener andere Kinder zum freien Spiel treffen?
     
  • Können die Kinder selbstständig nahe gelegene Spielorte und Treffpunkte ungefährdet erreichen?
     
  • Sind öffentlich Räume erreichbar, wo sie sich ungefährdet aufhalten können?
     
  • Gibt es "vertraute" Bewegungs- und Lebensräume, in denen sie sich etwas zutrauen und wo sie Selbstvertrauen gewinnen, weil man ihnen Vertrauen entgegenbringt?
     
  • Gibt es in der Nähe Streifräume, die eine Begegnung mit der natürlichen Umwelt (Pflanzen, Tieren, klimatischen Differenzen etc.) zulassen?
     
  • Können sie durch Bewegung und im Spiel unterschiedliche Umweltbedingungen (Wasser, Sand, Wiese, Stein...) sinnlich erfahren, ohne sich gesundheitlich zu gefährden?
     
  • Ist es im sozialen Umfeld der Erwachsenen erlaubt, dass sie die reale Welt in ihre Spielwelt einbeziehen, auch mal "laut" sind und ihre Spuren des Spiels hinterlassen?
     
  • Können sie in ihrem Umfeld jüngere und ältere Kinder, aber auch Jugendliche, Eltern und Großeltern treffen?
     
  • Können die Kinder die unverzichtbaren sozialen Regeln im Verkehr, im Umgang mit Gleichaltrigen und Erwachsenen mit Einsicht lernen?
     
  • Gibt es Räume (Spielplätze, Anlagen, Hinterhöfe etc.), wo sie ihre Umwelt durch eigene Ideen mitgestalten, die Ergebnisse sehen und prüfen können?
     
  • Werden sie in Familie, Kindergarten, Schule und Stadtregion an der Gestaltung ihrer Umwelt beteiligt?
     
  • Können die Kinder die Verfahren der Mitgestaltung verstehen und sind die Prozesse für sie als demokratische Entscheidungsprozesse nachvollziehbar?
     
  • Lassen Wohnungsgröße und Raumverteilung die Möglichkeit einer eigenen, individuellen Gestaltung zu?

Kontakt für weitergehende Informationen und Beratung

Hamburger Forum Spielräume e.V.

Eine Initiative für Kinder in der Stadt,
gefördert durch die Kroschke-Stiftung für Kinder

Universität Hamburg
Fachbereich Sportwissenschaft
Mollerstraße 10
20148 Hamburg

Tel.040-42838-7028
Fax 040 -42838-7027
forum@uni-hamburg.de
www.rrz.uni-hamburg.de/forum

Verantwortlich für den Inhalt

Prof. Dr. Knut Dietrich, Universität Hamburg

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