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Rund 90% aller Vergiftungsunfälle
betreffen Kleinkinder im Alter zwischen 10 Monaten und 4,5 Jahren. Dies
ist das Alter in dem das Kind beginnt seine Umwelt zu erforschen, alle
möglichen Gegenstände in den Mund nimmt, alles probiert und
runterschluckt. Es sind vor allem Dinge des täglichen Lebens, die
unbeaufsichtigt und gut erreichbar in jedem Haushalt zu finden sind, an
denen sich Kinder vergiften: an erster Stelle stehen Vergiftungen durch
Medikamente (37%) gefolgt von Tabakvergiftungen (20%) und Putzmitteln,
giftigen Pflanzen, Lösungsmitteln, Rattengift, Insektizide und
verdorbene Lebensmittel. Auch das Einatmen oder Hautkontakte mit
giftigen und ätzenden Stoffen und Tierbisse können
Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
Allgemeine Hinweise zur
Vermeidung von Vergiftungsunfällen
Gefährliche Substanzen sollten
außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahrt werden.
Denken Sie auch daran, wenn Sie
bei Freunden oder Verwandten (ohne Kinder) zu Besuch sind, dass
Medikamente und andere giftige Stoffe für ihr Kind unerreichbar
gelagert werden.
Werfen Sie Giftsubstanzen nicht
in Abfalleimer oder in den Papierkorb, weil sie dort von Kinder
gefunden werden können.
Bewahren Sie nie giftige
Substanzen neben Lebensmitteln auf.
Bewahren Sie nie Giftsubstanzen
in Limonaden- oder Bierflaschen auf, auch nicht in Tassen oder anderen
Lebensmittelbehältern.
Bedenken Sie, dass Hand- und
Einkaufstaschen gerne von Kinder durchwühlt werden (Vergiftungen durch
Parfüm, Zigaretten, Arzneimittel, eingekaufte Putzmittel und
Haushaltschemikalien).
Lassen Sie Ihr Kind nicht
unbeaufsichtigt, wenn Sie selbst mit Giftstoffen arbeiten (z.B.
Terpentin und Farben).
Im folgenden werden einige
typische Gefahrenstellen mit den entsprechenden Möglichkeiten zur
Vorbeugung aufgezeigt.
Im Haushalt
Medikamente
Medikamente sind der häufigste
Grund für Vergiftungen im Kindesalter. Gerade die attraktive Aufmachung
vieler Verpackungen und die bunten Dragees wirken sehr anziehend auf
Kinder. Dazu kommt, dass viele Medikamente zuerst süß schmecken, so
dass sie auch nicht sofort wieder ausgespuckt werden.
Medikamente, sollten immer vor
Kindern sicher verwahrt werden, z.B. in einer verschließbaren
Hausapotheke. Die meisten durch Arzneimittel bedingten Vergiftungen bei
Kindern ereignen sich, wenn Medikamente bei Erkrankungsfällen in der
Familie in den Aktionsbereich von Kindern geraten.
Leider sind nach wie vor nicht
alle Medikamente mit kindersicheren Verschlüssen versehen. Obwohl eine
amerikanische Studie belegt hat, dass seit Einführung von
kindersicheren Verpackungen für verschreibungspflichtige Tabletten die
Mortalitätsrate durch Arzneivergiftungen signifikant gesunken ist.
Schätzungsweise 460 tödliche Unfälle sind der Analyse zufolge durch die
Schutzmaßnahme verhindert worden. Das entspricht einer Reduktion um 45
%.
Abgelaufene Medikamente sollten
niemals in den Müll geworfen sondern zur Entsorgung zum Apotheker
zurückgebracht werden.
Zigaretten und Alkohol
Für ein Kleinkind unter einem
Jahr kann schon das Essen einer Zigarette lebensbedrohliche Folgen
haben, aber auch ältere Kinder erleiden schwere Vergiftungen nach dem
Verzehr einer Zigarette oder von Zigarettenkippen.
Daher sollte darauf geachtet
werden, dass Aschenbecher regelmäßig entleert werden und
Zigarettenschachteln sich außerhalb der Reichweite der Kinder befinden.
Auch geringe Mengen Alkohol sind
für Kinder schon giftig. Nicht leergetrunkene Gläser und angebrochene
Flaschen sollten nicht offen auf dem Tisch stehen bleiben.
Reinigungsmittel und Kosmetika
Haarbleichmittel, Nagellack und
-entferner, Parfüm, Haarentferner, Desinfektionsmittel,
Wäschebleichmittel, Möbelpolitur, Herdreinigungsmittel,
Metallreinigungsmittel, Fleckenentferner (auch in Sprühdosen),
Salzsäure, Rohrreinigungsmittel, Haushaltsreiniger, Fleckenwasser,
Imprägniersprays, Insektenvertilgungsmittel, chemische Abflussreiniger
sind die kindergefährlichsten Mittel im Haushalt, aber auch
Haarwaschmittel, Haarfestiger, Körperspray, Hautpflegemittel,
Geschirrspülmittel, Waschpulver da sie häufig für Kinder leicht
zugänglich aufbewahrt werden und die bunten Etiketten zum probieren
locken. Teilweise kann schon das Einatmen der Gase
Vergiftungserscheinungen hervorrufen.
Beim Kauf sollte auf
kindersichere Verschlüsse geachtet werden und diese Stoffe sollten
unerreichbar für Kinder lagern!
Nicht alle giftigen Stoffe sind
hier aufgeführt, rufen Sie im Zweifelsfall bei der
Giftinformationszentrale an.
Batterien - Minibatterien
Minibatterien, wie sie für
Kameras, Taschenrechner und Uhren verwendet werden, können von Kindern
verschluckt werden, da sie mit Bonbons o.ä. verwechselt werden. Die
Folgen sind fatal: die Magensäure zersetzt die dünne Metallhülle und
dadurch können hochgiftige Chemikalien, hauptsächlich Quecksilberoxyd,
freigesetzt werden die stark toxische Wirkungen haben. Batterien
sollten sicher aufgehoben werden und bei entsprechenden Stellen
entsorgt werden.
Garage
In der Garage oder im Werkraum
lagern viele giftige Stoffe, mit denen Kinder grundsätzlich nicht ohne
Beaufsichtigung in Berührung kommen sollten, wie z.B. Farben,
Farbverdünner, Farbentferner, Unkrautvernichtungsmittel,
Pinselreiniger, Motoröl, Benzin, Petroleum, Terpentin sowie chemische
Mittel zur Unkraut- und Schädlingsbekämpfung.
Um ein Produkt
verantwortungsvoll einzusetzen, muss man natürlich über seine
Gefährlichkeit bzw. Harmlosigkeit und die sichere Handhabung informiert
sein.
Halten Sie sich an die
Gebrauchsanweisung. So sollten zum Beispiel Holzschutzmittel für den
Außenbereich und nicht - wie häufig geschehen - in geschlossenen Räumen
eingesetzt werden. Außerdem sollte beim Arbeiten mit Lösungsmitteln
immer für eine entsprechende Lüftung gesorgt werden.
Garten: Pflanzen und Pilze
Vergiftungen durch Pflanzen sind
der dritthäufigste Grund für Konsultationen bei den Giftnotrufzentralen.
Giftige Pflanzen sind z.B.
Arnika, Aronstab , Bilsenkraut, rohe grüne Bohnen, Christusdorn,
Dieffenbachia, Eibe, Eisenhut, Fingerhut, Goldregen, Herbstzeitlose,
Kakteen mit giftigen Stacheln, Lupine, Maiglöckchen, Narzisse,
Oleander, Rizinus, Mohn, Schierling, Stechapfel, Tollkirsche,
Weihnachtsstern, Wiesen-Bärenklau, Zaunrübe, Grüne und unreife
Kartoffeln und über der Erde liegende grüne Teile der ausgewachsenen
Kartoffelknolle, aber auch grüne, unreife Tomaten und viele andere
Blumen und Beeren.
Gerade im Herbst ist das
Pilzesammeln eine beliebte Familienbeschäftigung. Doch das Essen von
giftigen Pilzen, die versehentlich gepflückt wurden, kann
lebensgefährlich sein! Darum nur sollten ausschließlich bekannte
ungiftige Pilze mitgenommen und zubereitet werden. Im Zweifelsfall
lieber auf einen Pilz verzichten.
Vergiftungen durch Pilze können
sehr unterschiedliche Vergiftungserscheinungen nach sich ziehen - sie
sind von Pilzart zu Pilzart unterschiedlich.
Darüber hinaus gibt es einige
Regeln, die beherzigt werden sollten bei der Aufbewahrung und
Zubereitung von Pilzen:
- Pilze nie in einer Plastiktüte
sammeln oder aufbewahren
- Pilzgerichte nicht wieder
aufwärmen
- Reste wegwerfen und zwar
sowohl frische als auch Speisen, die mit Dosenpilzen zubereitet wurden.
Erste Hilfe
Bei Vergiftungsfällen sollte
immer der Arzt sofort verständigt sowie die Giftnotrufzentrale um Rat
gefragt werden. Die Vergiftungszentralen sind rund um die Uhr mit
kompetenten Ärzten besetzt
Leider haben noch nicht alle
Giftnotrufzentralen eine einheitliche Telefonnummer, daher ist es
notwendig, sich die für das eigene Bundesland zuständige Stelle
herauszusuchen.
Folgende Punkte sind für die
Ärzte wichtig zu wissen:
- Wer ist betroffen (Kind,
Erwachsener, Alter)?
- Wann wurde die Substanz
eingenommen?
- Wie viel wiegt das Kind?
- Was wurde eingenommen?
- Wie viel wurde eingenommen?
- Wie wurde die Substanz
eingenommen (geschluckt, Hautkontakt, eingeatmet)?
- In welchem Zustand befindet
sich das Kind (Husten, Erbrechen, Muskelzuckungen, Rauschzustand oder
Benommenheit, Schmerzen, Mundgeruch)?
- Unter welcher Telefonnummer
sind Sie zu erreichen?
Die giftige Substanz, Pflanze
oder Verpackung sollte sichergestellt werden und gegebenenfalls zum
Arzt oder in die Klinik mitgenommen werden
Eltern, die befürchten, dass ihr
Kind etwas Giftiges verschluckt hat, sollten es sofort in kleinen
Schlücken trinken lassen. Wasser, Tee oder Säfte sind geeignet. Bei
Säuren- und Laugenvergiftungen sollte dies so schnell wie möglich
erfolgen (Verdünnungseffekt!). Anders als vielfach behauptet, ist Milch
kein Gegengift sondern beschleunigt in vielen Fällen die Giftaufnahme
durch den Darm
Der Versuch, das Kind zum
Erbrechen zu bringen, sollte in jedem Fall nur von einem erfahrenen
Arzt mit einem speziellen Medikament ausgelöst werden. Auch zu warnen
ist davor, durch die Verabreichung von Salzwasser ein Erbrechen
auszulösen, da Salzwasser selbst zu lebensbedrohlichen Vergiftungen
führen kann.
Bei der Einatmung von giftigen
Stoffen ist unverzüglich für ausreichend frische Luft zu sorgen, das
betroffene Kind sollte warm zugedeckt und ruhig gehalten werden.
Bei Verätzungen der Augen durch
Säuren, Laugen und Kalk sollten die Augen sofort für mindestens 10
Minuten unter fließendem Wasser ausgespült werden. Der Wasserfluss soll
direkt auf das Auge gerichtet werden, um noch vorhandene Säure- bzw.
Laugenreste so schnell wie möglich zu verdünnen und auszuspülen. Daher
ist es auch wichtig, die Augenlider gut offen zu halten.
Bei Hautkontakten mit ätzenden
und giftigen Stoffen müssen die benetzten Kleider sofort entfernen
werden und die betroffenen Hautpartien ausgiebig unter fließendem
Wasser gespült werden.
Sollte das Kind bewusstlos sein,
muss es sofort in die stabile Seitenlage gebracht und der Kopf nach
unten gewendet werden. Erst dann muss unverzüglich der Notarzt gerufen
werden.
Notruf / Feuerwehr meist Tel.:
112
Berlin: Beratungsstelle für
Vergiftungserscheinungen und Embryonaltoxikologie, Tel.: 030 - 19240
Berlin: (Behandlungszentrum)
Station 43 des Universitätsklinikums Rudolf Virchow, Tel.: 030 - 4505
3555
Bonn: Informationszentrale gegen
Vergiftungen / Zentrum für Kinderheilkunde, Tel.: 0228 - 287 3211
Erfurt: Gemeinsames
Giftinformationszentrum der Länder Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen,
Sachsen-Anhalt und Thüringen Tel.: 0361 - 730 730
Freiburg: Informationszentrale
für Vergiftungsfälle, Universitätskinderklinik, Tel.: 0761 - 270 4361
Göttingen:
Giftinformationszentrum Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen
und Schleswig-Holstein, Zentrum für Toxikologie, Tel.: 0551 - 19240
Homburg/Saar: Informations- und
Beratungszentrum für Vergiftungsfälle, Tel.: 06841 - 19240
Mainz: Beratungsstelle bei
Vergiftungen, der Universität Mainz, Tel.: 06131 - 19 240
München: Giftnotruf München,
Toxikologische Abt. der II: Med. Klinik, Tel.: 089 - 19 240
Nürnberg: Toxikologische
Intensivstation der II: Med. Klinik des Städtischen Krankenhauses,
Tel.: 0911 - 398 2451
Wien:
Vergiftungsinformationszentrale, Allgemeines Krankenhaus Wien Tel.:
0043 - 1 - 40400 2222 oder 406 4343
Zürich: Schweizerisches
Toxikologisches Informationszentrum, Tel.: 0041 - 1 - 251 5151
Bundesvereinigung für Gesundheit
e.V. und Informationszentrale gegen Vergiftungen, Bonn für die
Bundesarbeitsgemeinschaft "Kindersicherheit"
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