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 Buenas dias!

El Salvador - ein Land gibt nicht auf

Heidi Reith

Leben

"Buenas dias!" So begrüßen sich die Menschen in El Salvador. Dieser Gruß begegnete mir täglich, als ich 1998/99 in der Hauptstadt San Salvador ein Jahr lang Theologie studierte.

El Salvador, der so genannte „Kleine Däumling" Mittelamerikas, liegt an der Pazifikküste zwischen Guatemala, Nicaragua und Honduras und ist flächenmäßig und von der Einwohnerzahl ähnlich groß wie Hessen. Die meisten Menschen leben von der Landwirtschaft und wohnen in einstöckigen Häusern. Es gibt sehr viele Kaffeeplantagen, weil Kaffee eines der wenigen Produkte ist, die El Salvador exportiert. Weil die Plantagen viel Platz in Anspruch nehmen, wohnen die Menschen dicht gedrängt in einstöckigen Häusern nebeneinander. Zwar haben viele Einwohner die Möglichkeit, die Grundnahrungsmittel Mais und Bohnen auf kleinen Ackerflächen anzubauen. Doch das reicht selten für die eigene Familie, die im Schnitt wesentlich mehr Köpfe zählt als in Deutschland.

Der Gegensatz zwischen Stadt und Land ist gewaltig. Auf dem Land transportieren die Menschen zum Teil ihre Waren noch auf Ochsenkarren und pflügen ihre Felder teils noch mit der Hand. Die Straßen verwandeln sich während der Regenzeit in schwer passierbare Schlammpisten. In den größeren Städten hingegen gibt es Einkaufszentren und verschiedene Fast-Food-Restaurants. Durchgerostete, aber lebensfroh angemalte Busse, die in Nordamerika ausrangiert wurden, drängeln sich durch den dichten Verkehr der Städte. Mit ihren knatternden, rußigen Motoren übertönen sie das Hupen der Autos und das Geschrei der Taxifahrer. Eine Dunstglocke liegt über den Städten.

Auf zahlreichen Festen habe ich die Salvadorianer als fröhliche und hoffnungsvolle Menschen kennen gelernt. Auch in ihrer Musik spürt man ihre Lebensfreude und ihr Lebensgefühl, und das, obwohl El Salvador bis in jüngster Zeit hinein eine leidvolle und wechselhafte Geschichte erfahren hat. Bis 1991 tobte ein blutiger Bürgerkrieg, dem auch Monseñor Oscar A. Romero zu Opfer fiel, weil er sich gegen Krieg, Gewalt und Unterdrückung aussprach. Nicht nur er, sondern auch zahlreiche andere Persönlichkeiten wurden in diesem Krieg grausam ermordet. So auch sieben jesuitische Priester, die an der UCA (Universidad Centroamericana) das Evangelium lebten und lehrten. Diese Ereignisse sind auch heute noch im Volk präsent und werden jährlich bei Gedächtnisfeiern lebendig gehalten.

Noch während des Wiederaufbaus des zerstörten Landes wurde El Salvador im Oktober 1998 von dem Hurrikan Mitch heimgesucht, der eine Spur der Verwüstung hinterließ: Zahlreiche Menschen kamen bei Überflutungen ums Leben, verloren ihre Familie oder wurden obdachlos. In vielen Ortschaften stand kein einziges Haus mehr, so dass die Überlebenden auf den Bäumen oder unter Zeltplanen Schutz suchen mussten. Die Verteilung von Hilfslieferungen war schwierig, weil Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten waren und nur begrenzt Transportmittel zur Verfügung standen. Wenig ausgebildetes Personal konnte sich den seelischen Nöten der Menschen annehmen – es ist unvorstellbar, wie Glaube und Hoffnung in so einer Situation wachsen können.

Zweieinhalb Jahre später, der Schock und die Schäden des Hurrikans waren immer noch zu spüren, erschütterte eine weitere Naturkatastrophe das Land. Im Januar 2001 bebte die Erde wochenlang so stark, dass ganze Ortsteile Berghänge hinabrutschten und Menschen unter Schutt und Schlamm begruben. Mindestens eine halbe Million Häuser wurden zerstört. Straßen sind durch Erdrutsche unpassierbar, ganze Dörfer von der Landkarte verschwunden. Und über 3500 Nachbeben seit dem ersten Erdbeben haben die Menschen terrorisiert. „Die Salvadorianer stehen am Rande des kollektiven Nervenzusammenbruchs", schrieb die Frankfurter Rundschau am 16. Februar 2001.

Aber das Leben in El Salvador geht weiter, muss weitergehen. Verschiedene kirchliche Gemeinden, die ich während meines Aufenthaltes kennen gelernt habe, versuchen, die Menschen da zu unterstützen, wo Hilfe gebraucht wird: bei der Versorgung mit notwendigen Lebensmitteln, beim Bau von neuen und stabileren Häusern etc. Durch das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten sammeln die Menschen Mut und Kraft, um das Leben neu zu gestalten.


Heidi Reith ist Theologiestudentin. Sie studierte in El Salvador während des Ausbruchs des Hurrikans Mitch (1998). Seitdem begleitet sie verschiedene Projekte, in denen Hilfe zur Selbsthilfe praktiziert wird. Sie wird in Kürze detaillierter über ein Projekt zur Unterstützung der Menschen in El Salvador berichten. Sollten Sie jetzt schon nähere Informationen wünschen, senden Sie doch einfach eine Mail an

Reith@stud-mailer.uni-marburg.de