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Meisterkoch

Harald Renner

Bild Ernährung

Ich bin gut gelaunt, präzise in der Zeit. Eine Stunde rechne ich für die Zubereitung. Ich freue mich auf die Gäste. Selbst Annikas Giftspritzen finde ich köstlich.

"Schon gut, schon gut," wiegelt sie ab und schlägt lustig mit den Flügeln. "Ich gehe ja schon. Der Meisterkoch will unter sich sein." Sie geht aber nicht, sondern flezt sich in den Korbstuhl.

Presto, prestissimo, der italienische Abend rückt näher. Mediterranes Flair soll die Nacht verzaubern. La dolce vita all´italiana ist angesagt.

Ich schäle die fest kochenden Kartoffeln, viertele und achtele sie je nach Größe und verteile sie ordentlich auf dem Backblech.

"Sag mal, Papa, war das mit der kreativen Tafelrunde eigentlich deine Idee?"

"Ja, warum?"

"Weil du der unkreativste Mensch bist, den ich kenne."

Ich runzele die Stirn, und Annika schiebt bereitwillig die Begründung nach:

"Okay, du gehorchst brav allen Befehlen deines Dummie-Kochbuches. Du arbeitest mit der Stoppuhr. Deine Arbeitsplatte ist steril wie ein OP-Tisch. Du kochst wie ein Roboter. No risk, no fun. Was sagt uns das?"

"Es sagt uns, dass ich mich jetzt auf acht Filettos di maiale e patate al rosmarino konzentrieren werde. Gaumenfreuden für Kenner und Liebhaber, nichts für Banausen."

Vorsichtig streife ich die Nadeln von zwei Rosmarinzweigen ab und streue sie über die Kartoffeln.

"A propos Liebhaber," ätzt sie. "Wem ist denn der bescheuerte Name für eure kreative Tafelrunde eingefallen? Die scharfen Pepperonis, ihr habt sie wohl nicht mehr alle!"

"Das ist Wortwitz, gepfeffert mit einer Prise Selbstironie. Hätte ich in deinem Alter auch nicht verstanden."

Mit vier Esslöffeln Olivenöl beträufele ich die Kartoffelstücke und schiebe das Backblech in den Ofen, der auf 180 Grad vorgeheizt ist.

"Und überhaupt diese verstaubte Tafelrunde. Die stammt doch von König Artus, dem der Bart durch den Tisch wächst."

Ich lasse mich nicht beirren. "In meiner Jugend hieß der Mann mit dem Barte noch Barbarossa, so ändern sich die Zeiten."

Die Fleischstücke salze und pfeffere ich rundherum, erhitze drei Esslöffel Öl in einer Pfanne. Nun kann das Fleisch darin bei mittlerer Hitze von allen Seiten anbraten.

"Und was, wenn die scharfen Pepperonis absagen? Wegen fliegender Hitze und Hörsturz?"

"Dann bleiben vier Steaks für jeden. Auch nicht schlecht. Davon wird uns höchstens schlecht."

Das Telefon klingelt. Annika springt auf, sicher ist das für sie. Ich genieße die Ruhe, schäle den Knoblauch.

Sehe ich Schadenfreude in ihrem Blick, als sie zurückkommt? "Zuerst die gute Nachricht?" Ich nicke.

"Keine fliegende Hitze." "Und die schlechte?"

"Darmgrippe. Alle Richtungen, alle Akteure, basta, finito, vier Steaks für jeden."

Ich nehme das rundherum goldbraune Fleisch aus der Pfanne und wickele es mit den Kräuterzweigen und dem Knoblauch in Alufolie. Die Rosmarinkartoffeln schiebe ich zusammen und lege das Schweinefilet in Alufolie dazu aufs Blech. Annika kümmert sich um die grüne Sauce, während ich den Tisch decke.

Zwei Stunden später sind alle Platten geputzt, wie von Katzenzungen geleckt. Die Salsa verde haben wir mit den letzten Brocken Ciabatta aufgesaugt und genussvoll die Augen verdreht. Adriano Celentano schreit "una festa sui prato" in die Nacht, zum sechsten Male in der Endlosschleife. Wir sind heiser vom Refrain: "la, la, la, - la, la, la, la, la, .... nuova festa sui prati, nuova bella compagnia."

Annika hat fröhliche Freunde. Ich mag alle sechs, und sie haben mich immerhin geduldet, wo ich schon mal da bin. Unsere Tafelrunde hat jetzt eine Jugendgruppe. Sie nennt sich "the cool coolrabies". Das finde ich zwar bescheuert, behalte es aber für mich. Nächste Woche kochen die Kohlrabis für die Pepperonis. Bis dahin müsste die Darmgrippe vorbei sein. Es soll ChiChis Nacho Grande geben. Darauf bin ich gespannt.

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