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Themen "Leben": |
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"Der Anfang aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles, und ins Wasser kehrt alles wieder zurück." (Thales von Milet, 650-560 v.Chr.) Sie drehte den Wasserhahn auf. Nur ein leises Glucksen ertönte, sonst nichts. Kein Tropfen Wasser kam. Was war los? Ach so, vor zwei Tagen hatte eine Information im Briefkasten gelegen. Heute würde das Wasser für eine Stunde abgestellt werden - Wartungsarbeiten an den Leitungen seien erforderlich. Ärgerlich drehte sie den Hahn wieder zu. Zu dumm, dass sie das vergessen hatte. Jetzt konnte sie sich noch nicht einmal einen Kaffee kochen. Na ja, dann musste eben ein Glas Mineralwasser genügen. Sie goss das Wasser ein, stellte das Radio an und begann, sich ein Brot zu schmieren. Während sie die Butter auf dem Brot verstrich, hörte sie den Nachrichtensprecher sagen: "Das Problem einer ausreichenden Wasserversorgung wird in den nächsten Jahrzehnten noch weitaus dringlicher werden als die Sicherung der Ölvorräte". Sie hielt inne, hörte nicht weiter zu. Ihre Gedanken wanderten zwei Jahre zurück. Sie befand sich mitten in Ostafrika. Viele Frauen in leuchtenden Gewändern standen geduldig hintereinander an einem Brunnen. Manche hatten ihre Babys mit einem bunten Tuch auf den Rücken gebunden, alle hatten große Gefäße dabei. Da hinein wollten sie Wasser schöpfen. Fünf Liter oder zehn Liter, je nachdem wie groß das Gefäß war. Aufrecht auf dem Kopf trugen sie es nach Hause, manchmal schwappte etwas über. Trinken durfte man das Wasser nur abgekocht. Im Nachbarort war gerade Cholera ausgebrochen. Jeder wusste, die Krankheit kam aus dem Wasser - und die meisten, die daran erkrankten, überlebten nicht. In den ersten Wochen nach der Reise freute sie sich jedes Mal, wenn sie den Wasserhahn aufdrehte. Dieses Wasser konnte sie einfach trinken. Allmählich verblassten die Eindrücke. Schließlich floss das Wasser wie selbstverständlich aus der Leitung. Man brauchte nur den Hahn zu öffnen. Sie las das Etikett der Mineralwasserflasche. Aus vulkanischen Gestein kam dieses Wasser, war über mehrere Jahrhunderte tief ins Erdreich versickert, bis es auf Kohlensäure gestoßen war. Die Kraft der Kohlensäure trieb es sprudelnd wieder nach oben. Dort standen die Flaschen zum Abfüllen bereit. Auf großen LKW's transportierte man sie überall hin. Das Wasser war begehrt, sprach man ihm doch Heilkräfte zu. Früher, da gingen viele kranke Menschen zu dem Ort, blieben ein paar Wochen, machten eine Trink-Kur und kehrten mit neuen Kräften wieder in den Alltag zurück. Sie hatte dieses Wasser letzte Woche zum ersten Mal gekauft. Warum nur? In langen Reihen standen die Wasserkästen aufeinander gestapelt, eine Brunnenabfüllung neben der anderen. Wer sollte sich da schon auskennen? Sie schmeckten doch sowieso alle ähnlich. Eigentlich schaute sie ja immer drauf, dass das Wasser aus der Nähe kam. Na ja, hatte sie einfach nicht beachtet. Man konnte nicht immer an alles denken. Vorgestern hatte eine Freundin berichtet, das lebendigste Wasser sei ohnehin Quellwasser - wegen des hohen Sauerstoffgehaltes. Leitungswasser und Wasser in Flaschen sei so gut wie tot. Deshalb hätte sie ein Gerät gekauft, das Leitungswasser mit Sauerstoff anreichere. Sie fühle sich immer ganz erfrischt, wenn sie dieses Wasser trinke. Vor Jahrhunderten waren die Menschen auch schon zu den heiligen Quellen gepilgert, um dort reines Wasser zu trinken. Sie transportierten dieses Wasser sogar über weite Strecken in irdenen Gefäßen. Die Reichen und Mächtigen durften es trinken, für das gemeine Volk war es zu kostbar. Sie dachte wieder an die afrikanischen Frauen. Wenn jene das Wasser, dass sie schöpften, tranken, konnten sie krank werden. So war das wohl in früheren Jahrhunderten hier auch gewesen. Wasser, das man in der Nähe der Behausungen schöpfte, brachte die Krankheiten. Ganz anders das Quellwasser in den Bergen. Es kam aus den Tiefen hervor, von den Steinen gereinigt und mit Mineralien angereichert, sauber, klar und frei von Krankheitserregern. Lebendiges Wasser eben - Wasser zum Leben. Möglich, dass mit solchem Wasser auch heilende Energien übertragen wurden. Sie glaubte nicht so recht daran. Und ob die Anreicherung des Leitungswassers mit Sauerstoff gesundheitlichen Nutzen bringen würde? Oder war es lediglich eine Mode-Erscheinung? Längst hatte sie ihr Butterbrot aufgegessen und das Glas leer getrunken. Sie ging zum Wasserhahn und öffnete ihn erneut. Es gluckste ein paar Mal in der Leitung - und dann floss wieder Wasser, zuerst ganz unruhig, doch gleich darauf beständig und zuverlässig wie gewohnt. Trotzdem, irgendwie floss es anders... |
Leben |
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