In der Weihnachtsbäckerei ...
Jetzt beginnt wieder die köstliche Zeit, in der es
aus vielen Küchen verführerisch nach Lebkuchen,
Spekulatius, Butterplätzchen und anderen Weihnachtsleckereien
duftet.
Mehl, Butter, Zucker oder Honig, Eier, Gewürze, Nüsse
und Samen in veränderlichen Anteilen sind die
Grundbestandteile alter und neuer Rezepturen. Mit Ausnahme von
Makronen, bei denen der Eischnee für lockeres Gebäck
sorgt, müssen noch Backtriebmittel zugegeben werden. Sie
sorgen dafür, dass die leckeren Kunstwerke zart und locker und
nicht hart und fest aus dem Ofen kommen.
Traditionell gelockert
Im Prinzip könnte man für nahezu jedes
Gebäck Backpulver verwenden. Vergleichbar der
Kohlensäure, die die Luftbläschen ins sprudelnde
Mineralwasser bringt, enthält Backpulver pulverförmig
gebundene Kohlensäure, die beim Backen gasförmig wird
und Luft in den Teig bläst. Doch wer auf die traditionell
verwendete Triebkraft von Hirschhornsalz und/oder Pottasche setzt,
gewinnt damit auch noch ein bisschen mehr „typischen
Geschmack“. Ursprünglich wurde Hirschhornsalz
tatsächlich aus dem gemahlenen Gehörn eines Hirschs
oder anderen Hornsubstanzen gewonnen. Mittlerweile erfolgt die
Herstellung lebensmitteltechnisch. Auch bekannt als ABC-Trieb
(Abkürzung für: AmmoniumBiCarbonat) wirkt es wie
Backpulver, gibt dem Teig im Unterschied dazu jedoch einen leicht
ammoniakartigen Geschmack, der als typisch gilt für flaches
Gebäck wie Lebkuchen oder – ganzjährig -
Amerikaner.
Während Backpulver und Hirschhornsalz allein durch die Hitze
ihre Triebkraft entfalten, müssen in Gebäck, dass mit
Pottasche gelockert wird, zuerst die im Teig natürlich
vorhandenen Mikroorganismen Säuren bilden, die dann aus der
Pottasche die teiglockernden Gase freisetzen. Deshalb eignet sich
Pottasche nur für Lebkuchenteig, der mindestens eine Nacht
oder sogar noch länger ruht, bevor er gebacken wird. Es ist
sinnvoll, Pottasche mit Hirschhornsalz oder Backpulver zu kombinieren,
denn nicht immer bildet sich während des Ruhens
genügend Säure für die erforderliche
Lockerung.
Raffiniert verbunden
Gleichzeitig beginnt sich in der Ruhezeit auch der Geschmack
zu entfalten. So richtig gelingt das aber erst, wenn alle Zutaten in
der Hitze des Backofens eine innige Verbindung eingehen. Erst dann
werden die fettlöslichen Geschmacksstoffe der Gewürze
freigesetzt. Deshalb strömt verführerischer Duft aus
dem Backofen, das meiste Aroma bleibt jedoch im Gebäck selbst
haften. Auch eine leichte Bräunung, hervorgerufen durch die
sogenannte Maillard-Reaktion trägt zur Geschmacksbildung bei.
Dabei reagieren die Zucker- und Eiweißstoffe im
Gebäck miteinander und bilden den beliebten Karamell- oder
Röstgeschmack.
Andere, unerwünschte Bräunungsprodukte wie das
gesundheitsgefährdende Acrylamid bilden sich erst
über 180 Grad in nennenswerten Mengen. Deshalb empfiehlt es
sich, für den gesunden Genuss die
Weihnachtsspezialitäten unterhalb dieser Temperatur zu backen.





